Gelassene Erwachsene – entspannte Kinder

Gelassene Eltern - entspannte Kinder

Ja liebe Leser*in: du hast sicher auch schon gemerkt, dass es nichts bringt, einer anderen Person zu sagen, sie solle sich beruhigen, wenn du selbst ganz aus dem Häuschen bist, nicht wahr?

Warum ist das denn so? Fangen wir mal ganz vorn an:

Regulation und Co-Regulation

Jede*r von uns war mal in einem Mutterleib zu hause, wo es wohlig warm und kuschelig gewesen ist. Wir waren aufs engste verbunden mit unserer Mutter. War sie aufgeregt und ihr Herz schlug schneller, dann schlug auch unser kleines Herz ein bisschen schneller und wir wurden aufgeregt. Wenn sich unsere Mutter beruhigte, wurde ihr Herz wieder ruhiger und auch unseres schlug ruhiger und die Aufregung ließ nach: wir konnten uns wieder sicherer fühlen.

Ein Neugeborenes ist noch aufs engste mit dem Nervensystem der Mutter verknüpft und ist nicht in der Lage, sich selbst zu beruhigen. Es ist abhängig vom Nervensystem der Mutter, denn es kann sich nicht selbst regulieren:

–> Aufregung Mutter -> schnellerer Herzschlag Mutter —> schnellerer Herzschlag Baby —> Aufregung Baby
Mutter beruhigt sich —> Pulsfrequenz sinkt —> Baby beruhigt sich

Erst kommt also die Regulation der Mutter und dann kann sich auch das Nervensystem des Babys regulieren: es kommt zur Co-Regulation.

Mit der Zeit bildet das Baby ein eigenes Nervensystem aus und kann sich immer besser selbst regulieren (ab ca. 9 Monaten). Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr… bis das Gehirn eines Menschen und somit auch sein Nervensystem mit Anfang 20 komplett ausgereift ist!

Wie hängt das Gehirn mit dem Nervensystem zusammen?

Ein Reiz von Außen wird an das Gehirn gemeldet, genauer gesagt an die Amygdala, die in 0,3 Sekunden entscheidet, ob der Reiz Gefahr bedeutet oder nicht. Stuft sie den Reiz als gefahrlos ein, dann kann unser Neokortex (unser Vernuftsgehirn) eingeschaltet bleiben und wir können ganz in Ruhe überlegenen, was wir als nächstes tun möchten, was sinnvoll ist und was nicht.

Stuft sie den Reiz aber als Gefahr ein, dann schaltet sich der Neokortex ab und es reagiert das Reptiliengehirn (bzw. Stammhirn) mit Flucht (weglaufen) oder Angriff (Schreien, Hauen, Beißen…). Wenn das alles nicht geht, weil die Gefahr übermächtig erscheint, entscheidet sich das Reptiliengehirn für Erstarrung. (Wir sind dann quasi die Maus, die sich tot stellt, damit die Katze gelangweilt von ihr ab lässt.)

Was bedeutet das für mich und meine Familie?

Kleine und große Kinder sind schon gut in der Lage, sich selbst zu regulieren und ihre Emotionen in den Griff zu bekommen. Dafür müssen sie sich aber sicher fühlen! Und das ist der Knackpunkt! Bin ich angespannt, weil ich mich über meine Chefin oder meinen Mann ärgere oder weil ich mir Sorgen um etwas mache…. dann kann es sein, dass ich winzige Signale ihrer Angespanntheit aussende. Und diese werden von den Kinder unbewusst angezogen (man kann fast sagen „übernommen“), denn Kinder sind wie Magnetwände! Sie nehmen alle Emotionen ihrer Umgebung wahr, ziehen sie an und spüren sie selbst!

D.h. kurz und knapp: wenn ich als Erwachsene gereizt, überfordert, angespannt bin, dann spüren meine Kinder das und spiegeln es mir, indem sie es häufig selbst fühlen!
Oder sie spiegeln mir mein eigenes Unwohlsein, indem sie sich „unwohl“ verhalten.

Ich versuche vielleicht, erwachsen wie ich bin, meine Emotionen nicht zu zeigen, denn ich will ja vernünftig sein! Wenn ich aber etwas unterdrücke, was da ist, dann spüren die Kinder das auch und es verwirrt sie und da sie sich „in Gefahr“ nicht selbst regulieren können, reagieren sie dann Wiederrum mit Flucht, Angriff oder Erstarrung! D.h., dass meine Tochter mir vielleicht aus dem Weg gehen wird, während mein Sohn mich mit seinem Verhalten herausfordert! Es ist ein bisschen, als ob er sagen will: „He Mama, was ist los mit Dir? Irgendwas stimmt hier nicht! Ich kann es nicht begreifen und werde dich jetzt so lange herausfordern, bis ich es herausgefunden habe!“

Vielleicht hast du ähnliches schon mal bei dir und Deinen Kindern bemerkt? 

Leider hilft es überhaupt nichts, an meine, deine oder die Vernunft der Kinder zu appellieren, denn wie du schon weißt, schaltet sich der Teil des Gehirns, mit dem wir vernünftig denken können, der Neokortex, bei Gefahr ab. Und eine angespannte Bezugsperson bedeutet für ein Kind nun mal Gefahr! (Logisch: Bindung steht über allem, wie sollte mein Kind sonst überleben?)

Stell dir das so vor: wir sind wie ein Reh auf der Wiese. Wenn es irgendwo knackt, dann orientiert es sich zuerst zur Gefahr hin: ist es ein Hase oder ein Wolf? Beim Hasen kann es entspannt weiter grasen, beim Wolf wird es rennen! Es wird einen Tunnelblick bekommen („dahin rette ich mich!“) und weg ist es! Würde der Neokortex da mitmachen i.S. von „ist es vernünftig, dass ich jetzt Energie verschwende? Vielleicht ist der Wolf ja satt und interessiert sich nicht für mich“, dann ginge wertvolle Zeit verloren.

Aus dem Grunde also schaltet sich auch unser Neokortex bei Gefahr einfach ab und wir fliehen oder greifen an. Es bringt also gar nichts, von Kind oder Erwachsenem in einer Situation der gefühlten Gefahr zu erwarten, sich vernünftig zu verhalten, nachzudenken oder ähnliches.

Eine gewisses Auf und Ab der Erregungskurve ist ganz normal und findet täglich mehrmals bei jeder/m von uns statt! Gibt es aber zu viel „Gefahr“ oder häufen sich Stressmomente, dann kommt man immer schwerer in den „grünen Bereich“.

Natürlich reagieren Kindern nicht nur auf mich als Mutter, sondern auch auf das, was sonst passiert: auf den Streit, den ich mit meinem Mann habe, auf frustrierende Erlebnisse in der Schule, auf zu viel oder zu aufregenden Medienkonsum und und und. 

Und trotzdem braucht dein Kind genau deine Regulationsfähigkeit, um sich bei dir und in der Familie ebenfalls regulieren zu können!

Wie kommen wir da raus?

Die schlechte Nachricht ist, dass in unserer Gesellschaft und ganz besonders zu Zeiten der Pandemie eine allgemeine Überforderung und ein allgemeines Stresslevel besteht, welches nicht nur von mir und dir, sondern natürlich auch von den Kindern wahrgenommen wird. Wir befinden uns also sehr sehr oft auf dem Weg ins Reptiliengehirn….

Die gute Nachricht ist, dass wir lernen können, uns zu regulieren. Wir können lernen, unserem Gehirn immer öfter das Signal der Sicherheit zu geben, damit wir in Momenten der gefühlten Gefahr (in denen uns aber trotzdem niemand mit dem Messer bedroht) inne halten können um uns zu regulieren. Durch diese Regulation finden wir innere Gelassenheit und sind wieder in der Lage, wieder sozial zu interagieren!

Wenn meine Tochter sich also schon wieder nicht anziehen will, dann kann ich mich z.B. erstmal selbst wahrnehmen. Ich spüre also, wie mein Puls hoch geht, weil ich es eilig habe. Und mich vielleicht nicht respektiert fühle von ihr. Und dann kann ich mich umschauen und feststellen, dass Leib und Leben von mir nicht bedroht sind. Wenn meine Amydala das „erkennt“, dann schickt sie das Signal der Sicherheit ans Nervensystem und ich kann mich wieder entspannen. Sobald ich mich entspanne (und dabei sogar tief durchatme), kann ich vielleicht sehen, dass meine Tochter eigentlich lieber spielen würde, als jetzt losgehen zu müssen und dass ich es einfach versäumt habe, ihr für das Loslösen mehr Zeit zu geben. Und aus dieser Perspektive lässt es sich doch ganz gelassen durchatmen und fragen „Was brauchst Du denn, damit du jetzt mit mir losgehen kannst?“

Ich bin sicher, dass sie an diese, meine innere Ruhe, andocken kann. Selbst beim Schreiben spüre ich, wie ein ganz tiefer Atemzug bei mir einsetzt!

Wenn du nun neugierig geworden bist, mehr darüber zu erfahren und auch zu üben, gelassener zu reagieren, dann schau doch in meinem Seminar „Gelassene Erwachsene – entspannte Kinder“ vorbei. Im Shop kannst Du Deine Teilnahme ganz einfach buchen und am 28.02. und 07.03.22 gibt es sogar eine kostenlose Schnupperstunde!

Im Theorieteil gehe ich noch weiter auf die Zusammenhänge Gehirn/ Nervensystem ein und in der dazu passenden Übungsgruppe „Auftanken für die neue Woche“ praktiziere ich jeden Montag live und online Übungen, die das Nervensystem regulieren und zu mehr Gelassenheit und Resilienz führen. Je öfter man diese Übungen macht, desto mehr gewöhnt sich das Nervensystem daran und kann auch in stressigen Zeiten darauf zurückgreifen. Es muss dann nicht mehr im Neokortex danach suchen (auf den ja bei Stress kein Zugriff besteht), sondern erinnert sich von allein! Genial – nicht wahr 😉?!

Also: herzlich willkommen im Seminar und/ oder in der Übungsgruppe!

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